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Welche Traumarten es gibt, findest du hier.

Welche Traumarten gibt es?

Auf der Flucht vor einem Mörder, mit dem selbst gebauten Flugzeug durch die Wolken, in einem Haus voller Spinnen oder auf einem Dach in schwindelerregender Höhe. Auch wenn wir schlafen, tobt das pure Leben – oder Puzzleteile davon, die unser Gehirn jede Nacht aufs Neue miteinander kombiniert … Was hat es mit dem Träumen eigentlich auf sich? Was spinnt sich unser Gehirn da nur jede Nacht zusammen und was weiß die Forschung darüber? In dieser Artikelreihe tauchen wir ganz tief hinein ins Reich der Träume. Heute fragen wir: Welche Traumarten gibt es?

Wissenschaftliche Klassifizierung: REM- und nonREM-Träume

Wissenschaftler unterscheiden zunächst einmal ganz grundsätzlich zwei Arten von Träumen: REM- und nonREM-Träume.

  • REM-Träume (REM-Phase: Rapid Eye Movement = schnelle Augenbewegungen, leichter Schlaf) werden meist sehr intensiv erlebt und wir erinnern uns auch recht gut daran.
  • NonREM-Träume dagegen finden dann statt, wenn wir besonders tief und ruhig schlafen. Sie sind eher gedanklicher Natur und weniger von optischen Reizen geprägt. Daher werden sie auch nicht besonders gut erinnert.

Lange Zeit ging man davon aus, dass wir ausschließlich während des REM-Schlafs träumen (Näheres zum Ablauf der REM-Phasen und nonREM-Phasen lesen Sie hier).

Jüngere Forschungen zeigen aber, dass unser Gehirn in allen Schlafphasen, also auch in den nonREM-Phasen, Aktivitäten zeigt, die auf Träumen schließen lassen. Ein ganz typischer nonREM-Traum ist der sogenannte Einschlaftraum. Er ist der Übergang von den letzten Gedanken vor dem Einschlafen in die ersten Traumaktivitäten. Werden wir in dieser Übergangsphase geweckt, erinnern wir uns in der Regel recht gut an ihn.

Die Wissenschaft unterscheidet im Weiteren drei Arten von Träumen, die mit negativen Emotionen wie Angst, Trauer oder Ekel verbunden sind.

  1. Den Pavor Nocturnus,
  2. den Albtraum und
  3. den posttraumatischen Wiederholungstraum.

1. Der Pavor Nocturnus

Der Pavor Nocturnus zählt zu den nonREM-Träumen. Er tritt kurz nach dem Einschlafen und häufig bei Kindern auf. Der Betroffene schreckt dabei ängstlich und oft schweißgebadet hoch, ist desorientiert, schwer zu beruhigen und manchmal so verwirrt, dass er eine ganze Weile braucht, um wieder zu sich zu finden.

2. Der Albtraum

Der Albtraum tritt im REM-Schlaf auf und endet immer mit dem Erwachen. Das unterscheidet ihn übrigens von anderen schlechten Träumen, die nahezu genauso unangenehm, traurig, eklig oder bedrückend empfunden werden wie der Albtraum.

3. Der posttraumatische Wiederholungstraum

Der posttraumatische Wiederholungstraum tritt sowohl im REM-Schlaf als auch im nonREM-Schlaf auf. Dieser Traum wird immer wieder geträumt, er wiederholt ein schreckliches reales Ereignis (Kriegserlebnisse, Unfälle etc.).

Inhaltliche Klassifizierung: Die 4 Grundarten von Träumen

Träume nach Inhalt zu klassifizieren, ist gar nicht so einfach, weil es dabei immer darauf ankommt, welche Unterscheidungskriterien zugrunde gelegt werden. So können wir beispielsweise zwischen aktiven und passiv erlebten Träumen unterscheiden und fragen: Beteiligt sich der Träumende aktiv am Geschehen oder schaut er nur passiv zu? Wir können aber auch zwischen schlechten und guten Träumen unterscheiden oder Themencluster bilden.

Ganz generell lassen sich vier Traumarten inhaltlich voneinander abgrenzen:

  • Trübträume
  • luzide Träume (wie unter Punkt 1 beschrieben)
  • Albträume (wie unter Punkt 1 beschrieben)
  • Tagträume (bewusste, bildhafte, mit Träumen vergleichbare Fantasievorstellungen)

Den Trübtraum wollen wir uns genauer ansehen, denn den kennen wir alle. Der Wortteil „trüb“ bezieht sich auf den Bewusstseinszustand des Träumenden. Alle Träume, in denen sich der Schlafende des Träumens nicht bewusst ist, können als Trübträume bezeichnet werden. Daher ist der Trübtraum auch der häufigste Traumtyp. Vom Trauminhalt her haben wir es dabei meist mit Alltagsträumen zu tun. Wir erleben jeden Tag Konflikte, fühlen uns ungerecht behandelt, lassen Fragen unbeantwortet oder verhalten uns nicht ganz korrekt. Für solche tagsüber erlebten „Unstimmigkeiten“ entwirft unser Gehirn im Alltagstraum Handlungsalternativen oder spielt die betreffende/eine vergleichbare Situation noch einmal durch. Im Schlaf korrigieren wir gewissermaßen, was tagsüber nicht so ganz rund lief. So bauen wir seelische Spannung ab und lernen im Idealfall sogar noch etwas aus unseren Träumen.

Das wohl aufschlussreichste Feld für die wissenschaftliche Traumforschung ist der Klartraum oder das so genannte luzide Träumen.

Luzides Träumen ist echte Gehirnakrobatik, denn dabei ist dem Träumenden bewusst, dass er träumt. Im Klartraum können wir den Inhalt unserer Träume beeinflussen, die Handlung steuern, den Traum abbrechen oder Protagonisten, die nerven, einfach wegschicken. Damit ergeben sich natürlich die verrücktesten Möglichkeiten. Wer luzides Träumen beherrscht, kann sich im Schlaf entweder die herrlichsten Wunschwelten aufbauen oder den Klartraum ganz praktisch nutzen, zum Beispiel, um Tätigkeiten einzuüben. Die Fähigkeit, Träume ganz bewusst zu kontrollieren und zu steuern, ist nur wenigen Menschen in die Wiege gelegt, denn unser Gehirn arbeitet gewöhnlich nicht nach diesem Modell. Das Klarträumen lässt sich aber erlernen. Wie das konkret funktionieren kann, lesen Sie in diesem Artikel über Techniken, Chancen und Gefahren des Klarträumens.

Inhaltliche Klassifizierung nach Themen: Warum werden manche Träume von allen Menschen geträumt?

Jeder Mensch träumt. Warum aber ganz bestimmte Traummotive bei fast allen Menschen auftreten, darüber können wir nur mutmaßen: Wir wissen, typische Träume sind meistens negativer Natur (Prüfungstraum, Falltraum, Nackttraum, Verfolgungstraum, Todestraum). Sie beschäftigen sich mit tief verborgenen menschlichen Grundängsten wie Versagen oder Verlust. Im Traum werden sie in Situationen übersetzt, die die betreffende Grundangst im realen Leben garantiert bei uns auslösen würden.

Nackt vor Panik – Panik vor Nacktheit

Interessanterweise gibt es große kulturelle Unterschiede in Bezug auf typische Traummotive. In unserer westlichen Welt wird beispielsweise der Nackttraum sehr häufig geträumt: Wir sitzen nackt im Bus! Wir genießen die Fahrt, lächeln den Zusteigenden freundlich zu und freuen uns des Lebens, bis wir bemerken, dass uns etwas ganz Entscheidendes fehlt. In Nacktträumen schämen wir uns in Grund und Boden und haben nur ein Ziel: Und das ist definitiv woanders als hier!

Solche Verlegenheitsträume gibt es natürlich auch bei Naturvölkern in Afrika. Nur haben die einen ganz anderen Inhalt, weil Nacktheit dort nicht mit Scham verbunden ist.

Dort wird man zum Beispiel von einem ganz harmlosen Tier, wie einer Kuh verfolgt, das bei der Jagd normalerweise eine leichte Beute wäre.

Auch nachts schwere Prüfungen bestehen

Ein weiterer häufiger westlicher Traumtyp ist der Prüfungstraum: Wir sind gerade beim Einkaufen oder beim Sport und plötzlich durchfährt uns der Scheck: Oh Gott, die Prüfung! Oder wir wissen, dass wir ganz dringend zur Prüfung müssen, verpassen aber die Bahn um wenige Sekunden. Oder aber wir befinden uns schon mittendrin, können aber die Aufgaben nicht lesen, lassen uns immer wieder von Nebensächlichkeiten ablenken und bekommen irgendwann Panik, es nicht zu schaffen.

Solche Arten von Träumen kennt man nur in Gesellschaften, in denen der soziale Status eng mit dem Bildungsgrad verbunden ist und in denen Leistungsdruck eine große Rolle spielt.

Bei typischen Träumen übertragen wir also unsere Angst gewissermaßen in den jeweiligen gesellschaftlichen größten anzunehmenden Unfall und entwerfen eben für westliche Gesellschaften typische Traumszenarien wie diese: Die Prüfung nicht schaffen und keine gute Arbeitsstelle bekommen (Versagensangst); nackt und schutzlos vor anderen stehen und die Fassade nicht mehr wahren können (Kontrollverlust); mit den Anforderungen des schnelllebigen Alltags nicht mehr schritthalten können und ins Bodenlose stürzen (Existenzangst).

Ausblick

So sehr sich die Forschung auch bemüht, das Reich der Träume zu klassifizieren und zu interpretieren – bis heute wissen wir noch relativ wenig darüber, allein schon deshalb, weil wir uns lediglich auf Erfahrungsberichte stützen können. Und die sind im Übrigen vor allem nach Vollmondnächten ganz schön lebhaft. Ob wir bei Vollmond wirklich anders träumen, das lesen Sie in unserem nächsten Artikel in dieser Themenreihe.

Bildquelle: © francescoch/iStock

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