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Verschiedene Schlafmittel in medizinischen Glasflaschen.

Blogartikel: Schlafmittel nehmen? Besser zweimal überlegen

Was tun, wenn Schlaflosigkeit zur Dauerbelastung wird? Was, wenn es mit dem Einschlafen einfach nicht mehr klappen will? Eine schnelle Einschlafhilfe sind Schlafmittel allemal, aber auch eine extreme Belastung für den Körper. In jedem Fall sind sie mit Vorsicht zu genießen, selbst wenn moderne Präparate längst nicht mehr so starke Nebenwirkungen haben wie vor 20 oder 30 Jahren …

Wie wirken Schlaftabletten?

Schlafmittel oder Hypnotika zählen zur Gruppe der Psychopharmaka. Die meisten Medikamente, die beim Einschlafen helfen, wirken beruhigend und muskelentspannend, viele auch angstlösend und entkrampfend. Wird das Medikament eingenommen, verstärken seine Inhaltsstoffe die Wirkung der sogenannten Gamma-Amino-Buttersäure (GABA). Der körpereigene Stoff hilft vereinfacht gesagt, das Gehirn „herunterzufahren“ und auf den Schlaf vorzubereiten. Im Gegensatz zu früheren Medikamenten setzt man heute nicht mehr auf Substanzen, die den Schlaf erzwingen, sondern auf solche mit schlafbahnender Wirkung. Man nickt also nicht unmittelbar nach der Einnahme weg. Auch die Leistungsfähigkeit am nächsten Morgen wird weniger beeinträchtigt.

Wann sollte man Schlafmittel nehmen?

Immer am Ende aller therapeutischen Maßnahmen. So verführerisch es auch klingt, Freund Schlaf von heute auf morgen mit einer kleinen runden Pille zurückzugewinnen, das hat auch seinen Preis. Denn diese Pille kann unschöne Nebenwirkungen mitbringen und abhängig machen. Auch tritt mit zunehmender Einnahmedauer ein gewisser Gewöhnungseffekt ein, was leider in vielen Fällen mit immer neuen Erhöhungen der Dosis einhergeht. Die Einnahme von Schlafmitteln ist also keine Maßnahme, die man leichtfertig ergreifen sollte. Und ohne Rücksprache mit dem Arzt schon gar nicht.

Generell gilt: Treten Schlafstörungen über einen langen Zeitraum auf und schränken diese einen Menschen bis zur Erschöpfung ein, ist der Einsatz von Medikamenten durchaus sinnvoll, einfach, damit Körper und Psyche erst einmal eine „Stresspause“ bekommen. In vielen Fällen macht es Sinn, eine begleitende Therapie zu starten, um parallel zur Medikamenteneinnahme auch an den eigenen Einstellungen und Verhaltensweisen zu arbeiten. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, bei traumatischen Erlebnissen kurzzeitig medikamentös zu unterstützen. Zum Beispiel wenn der Partner plötzlich stirbt, nach einer ernsten Diagnose oder beim Verlust des Jobs.

Frei oder auf Rezept? Welche Schlafmittel gibt es auf dem Markt und welche Wirkstoffe stecken drin?

Fakt ist: Sowohl rezeptpflichtige als auch einige rezeptfreie Schlafmittel können abhängig machen und Nebenwirkungen hervorrufen. Also auch bei Mitteln ohne Rezept vorher mit dem Arzt sprechen und die Einnahme auf wenige Tage beschränken.

Rezeptfreie Schlafmittel: Auswahl

Antihistaminika

Eigentlich werden sie bei Allergien verschrieben, aber Antihistaminika machen auch müde, indem sie das körpereigene Hormon Histamin bremsen. Leider unterdrücken sie aber auch den Traumschlaf und wirken sehr lange, sodass viele Menschen morgens Schwierigkeiten haben, aus dem Bett zu kommen. Daher ist von dieser Form der Behandlung eher abzuraten.

Pflanzliche Schlafmittel

Baldrian, Hopfen oder Melisse sollen das Einschlafen fördern. Das ist zwar noch nicht ausreichend belegt, die Wirkung von pflanzlichen Schlafmitteln wird aber von vielen Menschen bestätigt. Allerdings braucht man bei dieser Form der Therapie Geduld, es dauert einige Wochen, bis die Wirkung einsetzt. Das Positive daran: Die Schlafstruktur (Schlafphasen) soll nicht beeinträchtigt werden und es entsteht keine körperliche Abhängigkeit. Natürliche Heilmittel eignen sich vor allem zur Behandlung von leichten Schlafproblemen.

Rezeptpflichtige Schlafmittel: Auswahl

Benzodiazepine: wirkungsvoll, aber schwer abzusetzen

Vor allem zur Behandlung von schweren Ängsten, Suizidalität oder Aggressivität eingesetzt, helfen Benzodiazepine auch bei mittleren und schweren Schlafstörungen. Je nach Präparat erleichtern sie mitunter nicht nur das Einschlafen, sondern ermöglichen auch das Durchschlafen. Benzodiazepine sollten immer nur unter ärztlicher Aufsicht und nur in schweren Fällen länger als sechs Wochen eingenommen werden. Leider sind nach aktuellen Schätzungen deutschlandweit über eine Million Menschen von Benzodiazepinen abhängig. Die meisten davon sind über 65 Jahre alt.

Z-Substanzen: die modernere Alternative

Die sogenannten Z-Substanzen werden schon seit mehreren Jahren bei Einschlafproblemen verschieben und enthalten die Wirkstoffe Zopiclon, Zolpidem und ¬Zaleplon. Das heute am häufigsten verschriebene Schlafmittel ist Zolpidem. Z-Substanzen (auch: Z-Drugs) fördern den Schlaf, wirken muskelentspannend und lösen Ängste. Leider können auch sie – ähnlich wie Benzodiazepine – abhängig machen und sollten daher erst eingenommen werden, wenn andere Therapieformen nicht mehr helfen.

Barbiturate, Chloralhydrate, bromhaltige Schlafmittel: den Arzt immer nach Alternativen fragen

Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die trotz erheblicher Nachteile immer noch von einigen Ärzten verschrieben werden. Dazu zählen Barbiturate, Chloralhydrate und bromhaltige Schlafmittel. Barbiturate werden nur noch selten eingesetzt, weil sie viele Nebenwirkungen haben und schnell abhängig machen können. Auch sind sie in die Kritik geraten, weil sie den Schlafzyklus verändern beziehungsweise die REM-Schlaf-Phasen (Traumschlaf) unterdrücken. Bromhaltige Schlafmittel gibt es schon sehr lange. Man weiß schon seit über 150 Jahren, dass man Brom (in Form von Bromiden) als schlaffördernde Substanz einsetzen kann. Früher waren sie sogar frei erhältlich. Heute gibt es sie nur auf Rezept, weil es auch hier ein gewisses Abhängigkeitspotenzial und zahlreiche Nebenwirkungen gibt. Bromhaltige Schlafmittel werden daher auch nicht mehr sehr häufig verschrieben. Auch Chloralhydrate haben einen schlechten Ruf, weil sie früher starke Nebenwirkungen wie Übelkeit und Magenschleimhautreizung mit sich brachten. Moderne Präparate werden in der Regel besser vertragen und beeinflussen die Leistungsfähigkeit am Tag nur kaum. Trotzdem: Auch diese Mittel bringen ein sehr starkes Abhängigkeitspotenzial mit und belasten den Körper sehr stark.

Synthetisch hergestelltes Melatonin: der Hoffnungsträger

Melatonin ist ein Hormon, das uns müde macht. Unser Körper stellt es selbst her und schüttet es bei zunehmender Dunkelheit verstärkt aus. Seit geraumer Zeit gibt es ein Präparat auf dem Markt, das synthetisch hergestelltes Melatonin enthält. Nach aktuellem Kenntnisstand der Forschung soll es nicht abhängig machen. Experten raten trotzdem dazu, es nicht über einen längeren Zeitraum einzunehmen.

Welches Schlafmittel bei welchen Beschwerden?

In Absprache mit dem Arzt kommen je nach Art der Schlafstörung verschiedene Medikamente zum Einsatz. Für welches er sich entscheidet, hängt neben anderen Variablen vor allem davon ab, welche Ursache hinter den Problemen steckt und welche Wirkdauer voraussichtlich nötig ist. Bei Einschlafstörungen verschreiben Ärzte in der Regel Mittel mit kurzer Wirkdauer (zwei bis drei Stunden), deren Inhaltsstoffe vom Körper schnell wieder abgebaut werden. Treten die Schlafprobleme auch während der Nacht oder am frühen Morgen auf, werden Mittel mit mittlerer Wirkungsdauer (länger als fünf Stunden) verschreiben. Medikamente mit längeren Wirkzeiten werden nur selten verschrieben, weil sie am nächsten Tag stark nachwirken.

Wie Schlaftabletten absetzen?

Wenn Mittel, die den Schlaf fördern, über einen längeren Zeitraum (mehrere Wochen oder Monate) eingenommen wurden, sollten sie niemals abrupt abgesetzt werden. Das gilt für fast alle Präparate. In der Regel „schleicht man sich aus“, das bedeutet: Die Dosis wird in Absprache mit dem Arzt stückchenweise herabgesetzt. Leider kann es vor allem beim abrupten Absetzen der Substanz zu Entzugserscheinungen kommen: Die Schlaflosigkeit kehrt einige Tage nach dem Absetzen des Mittels zurück, Ärzte nennen diesen Rückfall „Rebound“. Besonders häufig kommt das bei Benzodiazepinen und Z-Substanzen vor. Auch Schwindel, Unruhe, Angst oder Zittern können in diesem ersten Zeitraum nach dem Absetzen auftreten. Durch ein langsames Ausschleichen fallen die Entzugserscheinungen in der Regel schwächer aus. Um den Kreislauf der Abhängigkeit zu durchbrechen, lohnt es sich, die schwierige Zeit der Umgewöhnung auszuhalten und durchzustehen. In schweren Fällen kann hierbei auch ein Ersatzmedikament unterstützen. Pflanzliche Schlafmittel wie Baldrian oder Hopfen können über längere Zeiträume eingenommen werden. Sie machen nicht abhängig.

Bildquelle: © zozzzzo/iStock

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