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Wenn der Schlafbedarf nicht ausreichend gedeckt ist, können sich Kinder in der Schule nicht konzentrieren.

Schlafbedarf und Chronotyp: Wieviel Schlaf braucht ein Kind?

Die Wissenschaft sagt, Erwachsene brauchen im Durchschnitt sieben Stunden Schlaf, Babys schlafen bis zu 20 Stunden am Tag. Für jedes Lebensalter gibt es solche Durchschnittswerte und Richtlinien für den Schlafbedarf. Die sind – das gilt vom Baby über das Kleinkind bis ins Jugendalter – auch wichtig, denn ausreichend Schlaf ist essenziell für eine gesunde Entwicklung. Aber wie sieht die Realität aus? Können wir uns überhaupt an die Empfehlungen halten oder macht uns der Alltag einen Strich durch die Rechnung? Und wie wirkt sich das auf unseren Organismus aus?

Empfehlungen zum Schlafbedarf bei Kindern

Verschläft ein Baby noch fast den ganzen Tag, reduziert sich der Schlafbedarf bis zum zweiten Geburtstag auf etwa 13 Stunden. Beim Kleinkind nimmt er jedes Jahr um knapp eine weitere Stunde ab. Ein Kleinkind von fünf Jahren etwa braucht im Durschnitt noch etwa 11 Stunden Schlaf. Im Grundschulalter schlafen die meisten Kinder dann etwa 10 Stunden pro Nacht. Das bleibt auch bis zum 10. Lebensjahr so. Erst in der Pubertät, etwa ab dem 15. Lebensjahr, nimmt der Schlafbedarf ganz langsam ab, er liegt dann bei den meisten Jugendlichen bei rund 9 Stunden.

Haben auch Kinder schon eine innere Uhr?

Welcher Schlaftyp wir sind, also wie unsere innere Uhr tickt, das ist zu etwa 50 Prozent genetisch bedingt und zeigt sich schon sehr früh, etwa ab dem achten Lebensmonat. Auch kleinste Kinder haben also schon eine innere Uhr. Wenn Sie Ihre eigenen beobachten, können Sie schnell einordnen, mit welchen Schlaftypen (in der Forschung auch Chronotypen genannt) Sie es zu tun haben. Hüpft der eine schon vor dem ersten Hahnenschrei quietschvergnügt aus dem Bett und dreht lautstark seine Runden im Kinderzimmer? Vollbringt er auf dem Weg in den Kindergarten akrobatische Höchstleistungen, hängt dagegen aber am Nachmittag ganz schön in den Seilen? Dann ist er wohl eine kleine Lerche, also ein Frühaufsteher. Sitzt die andere dagegen bis spät in die Nacht mit Taschenlampe und Buch unter der Bettdecke und verschüttet beim Frühstück vor lauter Trantütigkeit jeden Tag die Milch, dann wird Sie eine nachtaktive Eule sein, die abends nur schwer in den Schlaf findet. Die Gesellschaft nimmt leider auf Eulen noch wenig Rücksicht. Unsere Arbeitswelt ist eine Welt der Lerchen, das spüren auch unsere Kinder schon. Unser Tipp: Passen Sie Ihre Familiengewohnheiten so weit es geht an den Chronotyp, aber auch an den Schlafbedarf an; das ist zumindest im Kleinkindalter auch ein Zusammenspiel mit dem Mittagsschlaf!

Verändert sich der Chronotyp im Verlauf der Kindheit?

Haben Sie pubertierende Kinder? Dann können Sie diese Frage sicher beantworten. In der Tat werden die meisten Kinder mit Beginn der Pubertät mehr und mehr zu Eulen. Abends finden sie nicht in den Schlaf, lesen oder sehen bis spät in die Nacht fern und morgens grüßt das Murmeltier, ein übel gelauntes, grummliges – ja – bösartiges Murmeltier. In vielen Familien läuft in der Frühe ein unschöner Kampf ums Aufstehen ab, einfach, weil der Schlafbedarf noch nicht ausreichend gedeckt ist. Eine wahre Nervenprobe für alle Beteiligten. Aber das Ganze hat eine biologisch feststellbare Ursache: Während der Pubertät werden die Sexualhormone aktiv. Während dieser hormonellen Umstellungsphase verschiebt sich die Produktion des (Schlaf-) Hormons Melatonin um ein bis zwei Stunden in den späteren Abend hinein. Deshalb werden rund 85 Prozent der Kinder im Teenageralter vorübergehend zu Eulen, also Spätaufstehern. Erst ab dem 21. Lebensjahr normalisiert sich der Zustand wieder.

Alltagsscheck: Lassen sich Schlafdauer und Schlaftyp des Kindes überhaupt in Einklang bringen?

Beim Baby und Kleinkind geht das noch relativ leicht. Wird das Kind noch von den Eltern betreut, richtet sich anfangs alles noch stark nach dem Schlafbedürfnis des Kindes. Das wird in der Regel auch erfüllt. Wenn das Baby schlafen will, dann kann es das ungehindert tun, nicht nur in der Nacht kann es solange schlafen, wie es will, auch ein ausgiebiger Mittagsschlaf ist jeden Tag drin.

Geht es dann in den Kindergarten oder zur Tagesmutter und ist die Elternzeit vorüber, verschiebt sich das Zeitgefüge schon etwas. Dann müssen Mama, Papa und Kind(er) allesamt früh raus. Spätestens im Grundschulalter kann es schon mal zu ersten Schlafdefiziten kommen. Ein großes Streitthema ist in diesem Zusammenhang der frühe Unterrichtsbeginn in Deutschland. Viele Schulen starten bereits um 7:15 Uhr oder 7:30 Uhr in den Tag. Besonders Kinder, die mit dem Bus zur Schule fahren, müssen also morgens empfindlich früh raus.

Am härtesten trifft es die Altersgruppe zwischen 12 und 17 Jahren. Ein zehnjähriges Kind schläft nach aktuellen Untersuchungen im Schnitt gegen 22:00 Uhr ein und steht um 06:40 Uhr auf. Es bekommt also um die 8,5 Stunden Schlaf, obwohl es nach Empfehlungen aus der Forschung eigentlich eine gute Stunde mehr bräuchte. In den darauffolgenden Jahren verschiebt sich der Zeitpunkt des Einschlafens (wie oben beschrieben) immer weiter nach hinten, aufgestanden wird aber weiter immer zur gleichen Zeit. In extremen Fällen kommt es also im Jugendalter zu erheblichen Schlafdefiziten.

Auswirkungen von Schlafmangel in der Kindheit

Das kindliche Gehirn zeigt im Schlaf andere Hirnaktivitäten als das seiner Eltern. Der Tiefschlafeffekt wirkt bei Kindern in den hinteren Hirnregionen (bei Erwachsenen in den vorderen Arealen). Schlafen Kinder zu wenig, wirkt sich der Mangel demzufolge auf andere Fähigkeiten und Fertigkeiten aus, als es bei Erwachsenen der Fall ist. Während Schlafmangel im ausgereiften Hirn vor allem die Handlungsfähigkeit und das Arbeitsgedächtnis beeinträchtigt, wirkt sich ein Schlafdefizit bei Kindern dagegen auf das Sehen, die räumliche Wahrnehmung und bestimmte Sinneswahrnehmung aus. Diese Areale aber befinden sich im Kindesalter gerade in einem intensiven Reifeprozess, man spricht auch von „Entwicklungsfenstern“; also Phasen, in denen das Gehirn für bestimmte Lernerfahrungen besonders empfänglich ist. Extremer Schlafmangel kann die Entwicklung von Kindern also massiv beeinträchtigen oder verzögern.

Chronischer Schlafmangel in der Jugend

Im Jugendalter sind die Auswirkungen von Schlafmangel immerhin nicht mehr ganz so gravierend für die Reifung des Gehirns, denn etwa ab dem 10. Lebensjahr (es gibt natürlich individuelle Unterschiede) sind die wichtigsten Bahnen und Verknüpfungen geschaffen und es beginnt bereits der Abbau unnötiger (also nicht oft gebrauchter) Verbindungen.
Nichtsdestotrotz verändert sich das Hirn auch in dieser Phase weiter und braucht natürlich die Erholungsphasen in der Nacht. Laut einer Umfrage des Dillenburger Instituts für Gesundheitsforschung und des schlafmedizinischen Zentrums in Marburg (mit 8800 jugendlichen Teilnehmern) fühlen sich 62 Prozent der Jugendlichen tagsüber nicht ausgeruht und leistungsfähig. Bei vielen Teenagern äußert sich das Schlafdefizit in psychischen Beschwerden, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Fehlzeiten. Leider hat laut Forschung der sogenannte „Weekend-Oversleep“, also der Versuch, verpassten Schlaf durch langes Ausschlafen am Wochenende nachzuholen, keinen messbaren Effekt.

Was tun, wenn mein Kind zu wenig schläft?

Bei kleineren Kindern haben Sie als Eltern noch gute Karten, denn hier haben Sie am Abend die Zügel in der Hand. Planen Sie die Zeit des Zubettgehens so, dass in der Nacht genügend Stunden Schlaf drin sind. Wenn es mit dem früheren Einschlafen so gar nicht klappen will, hier haben wir einige Einschlaf-Tipps für Kinder zusammengestellt (und noch mehr Ideen gibt’s dann übrigens in unserem nächsten Blogbeitrag).

Unser Tipp für Jugendliche: Versuchen Sie es mit dem klassischen Appell an die Vernunft (auch, wenn manche Nüsse hart zu knacken sind). Sprechen Sie Ihre Ängste vor Ihrem Kind offen aus, reden Sie über die gesundheitlichen Risiken von chronischem Schlafmangel und versuchen Sie Kompromisse zu finden, die allen Familienmitgliedern gerecht werden.

Bildquelle: © petrograd99/iStock

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