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Mutter geht aus dem Kinderzimmer, Kind schläft

Einschlafhilfe: Wie Ihr Kind allein und glücklich einschläft

Alle Eltern kennen das allabendliche Problem: Das Kind braucht die ein oder andere Einschlafhilfe. Manche wollen getragen werden, manche wollen nur im „großen Bett“ der Eltern einschlafen und so manches Kind möchte noch eine Milch, muss noch einmal auf Toilette, möchte „nur noch ein Buch“ angucken oder „nur noch ein Lied“ hören. Da bleiben die Bedürfnisse der Eltern schnell auf der Strecke, weil sich dieses Prozedere ganz schön hinziehen kann. Wie aber bekommen wir es hin, dass Kinder auch allein und glücklich einschlafen? Kann man ihnen das Schlafen beibringen?

Schlafen lernen durch vernünftige Grenzen

Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr: Diese Weisheit können nicht nur frischgebackene Eltern tagtäglich bestätigen. Kinder sind etwas Wunderbares: Sie sind intuitiv, selbstvergessen, idealerweise sorglos, einfach Kind. Aber Hand aufs Herz, liebe Eltern: Manchmal können sie einen auch den letzten Nerv kosten. Gerade abends, wenn Sie einen anstrengenden Tag hinter sich haben, sehnen Sie sich nichts mehr herbei als das Sofa und haben einfach keine Reserven mehr, um noch ein Buch und noch ein Buch und noch ein Buch anzugucken oder das Kind mit viel Tamtam zu beruhigen, bis es einschläft. Schnell wird das eigene Kind als kleiner „Störenfried“ wahrgenommen. Aber keine Sorge: Dieses Empfinden ist völlig normal und menschlich. Auf der anderen Seite möchten Eltern ja auch für ihre Kleinen da sein. Wie ist dieses Dilemma zu lösen? Als Erstes ist es für alle Themen der Erziehung wichtig, Kindern die Grenzen zu zeigen, die tatsächlich bestehen: Persönliche Grenzen (Eltern dürfen auch mal müde sein und keine Lust auf Spielen haben), soziale Grenzen (man darf nicht hauen, Essen darf man nicht schmeißen, man soll Bitte und Danke sagen) und Grenzen der Zeit (irgendwann muss man halt vom Spielplatz nach Hause gehen).

Unser erster Tipp: Machen Sie sich immer bewusst, welche Grenzen tatsächlich existieren und nehmen Sie diese als Maßstab, denn das kann durchaus helfen, konsequenter zu sein. Machen Sie sich als Zweites klar, Ihren Kindern diese Grenzen mit viel Liebe und Fürsorge beizubringen und nicht mit diversen „kalten“ Methoden, denn Kinder sind keine Roboter – so sehr man sich das in seiner Verzweiflung auch mal wünschen darf 😉

Schon ein Baby braucht einen festen Rhythmus

Es gibt auch persönliche, soziale und zeitliche Grenzen beim Thema Schlaf: Die persönlichen sind sehr individuell (jeder ist irgendwann müde oder auch einfach nur des Alltags überdrüssig), während die sozialen Grenzen aber eher allgemeingültig sind und Hand in Hand mit den zeitlichen gehen: Irgendwann klingelt für jeden der Wecker und das soziale Leben mit Arbeit und Kindergarten beginnt. Das heißt, dass es abends nicht zu spät werden darf, wenn nicht die gesamte Familie am kommenden Tag in den Seilen hängen will.

Der zweite Tipp ist auch der wichtigste: Wer sein Kind abends pünktlich im Bett haben will, sollte schon den ganzen Tag über die Uhr im Blick haben: Ein geregelter Tagesablauf ist sehr wichtig und hat überhaupt nichts mit übermäßiger Strenge zu tun. Ganz im Gegenteil geben feste Abläufe und Uhrzeiten gerade einem Kleinkind (und schon einem Baby) Sicherheit und verschaffen ihm genauso wie die verschiedenen Grenzen Orientierung. Wenn Sie Grenzen (welcher Art auch immer) aber wie die Axt im Walde durchsetzen wollen, dann werden Sie wahrscheinlich nur Protest ernten und das Gegenteil von dem bewirken, was Sie erreichen wollen. Für den Schlaf bedeutet das: Bereiten Sie Ihr Kind also auf den Abend vor und führen Sie ruhige Abendrituale ohne große Kissenschlachten oder aufreizende Spiele ein. Denn das dabei produzierte Adrenalin wird nur sehr langsam vom Körper abgebaut. Wer also denkt, sein Kind kurz vorm Schlafen noch einmal richtig auspowern zu wollen, sitzt einem großen Trugschluss auf.

Als Beispiel für ein Abendritual: Es gibt ein nicht allzu spätes Abendbrot, danach kommt (als Fixpunkt) das Sandmännchen und dann geht es vielleicht noch ab in die Wanne und dann ins Bett. Kündigen Sie das Ihrem Kind, auch wenn es noch ein Baby ist, jeden Abend an und wiederholen Sie in einem beruhigenden Ton, was als Nächstes ansteht. Es wird sich schnell daran gewöhnen und diesen Ablauf irgendwann auch einfordern. Versprochen.

Exkurs: Was gegen Einschlafmethoden spricht

Die bekannteste Einschlafmethode mit festem Regelwerk ist das berühmt berüchtigte Ferbern, welches nach dem amerikanischen Kinderarzt Richard Ferber benannt ist und in Deutschland durch das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ besondere Aufmerksamkeit erzielt hat – und auch bei Ihrer Hebamme garantiert nicht beliebt ist. Bei dieser Methode legen Eltern ihr Kind wach ins Bett und ignorieren es, wenn es beginnt zu weinen. Das tun sie nach einem festen Plan jeden Tag einige Minuten länger. Wer diese Methode konsequent anwenden möchte, wird auch Erfolg ernten, glaubt man den Erzählungen so mancher Eltern. Die Methode beruht darauf, Kindern abzutrainieren, sich aufzuregen, wenn sie allein sind. Jedoch müssen sich die Eltern auch ihre Intuition (wenn Sie so wollen, ihren natürlichen Beschützerinstinkt) abtrainieren. So sehen viele Pädagogen diese Methode als sehr kritisch an: Denn für Kinder ist es unbegreiflich, warum die Mama mit einem Mal nicht mehr in der Nähe ist, obwohl sie sich doch den ganzen Tag gekümmert hatte? Sie beginnen zu weinen oder gar zu schreien, weil sie sich verlassen und allein fühlen und womöglich Angst haben und das löst Stress aus. Die Methode erlaubt auch keine Einschlafhilfen wie Spieluhren oder Nuckel, weil Kinder diese (angeblich) beim Aufwachen in der Nacht vermissen würden und sich nicht mehr beruhigen könnten. Das heißt, Eltern sollen ihre Kinder nach Ferber an nichts gewöhnen bzw. nicht von Einschlafhilfen abhängig machen. Vielen Eltern widerstrebt das aber; es entspricht nicht ihrem Bauchgefühl, das Kind nicht noch einmal auf den Arm nehmen zu dürfen bzw. es sanft zu beruhigen.

Was uns die Evolution lehrt

Aus evolutionärer Sicht sind Menschen die ersten Jahre ihres Lebens komplett von der Hilfe der Erwachsenen abhängig. Sie können sich im Gegensatz zu vielen anderen Säugetieren nicht einmal allein fortbewegen, wenn sie auf die Welt kommen. In der Steinzeit wäre ein Baby oder Kleinkind verlassen in der Höhle in ernster Gefahr vor Raubtieren gewesen. Von daher schlafen Kinder nicht beruhigt ein, wenn sie das Gefühl haben, allein zu sein, es liegt tief in ihren Genen verwurzelt. Experten gehen davon aus, dass die Ferber-Methode funktioniert, weil die Kinder einfach desillusioniert aufgeben. Sie haben vielleicht erkannt, dass keine Gefahr besteht, aber sie haben auch schmerzlich erkannt, dass die Eltern nicht da sind. Eine liebevollere Herangehensweise ist da sicher die bessere Wahl.

Was ist die beste Einschlafhilfe?

Die ganz einfache Antwort: Sie, Ihr Vertrauen in sich selbst und in das Kind und Liebe nach Maß (denn Liebe kann auch überladen). Wichtig ist: Haben Sie Ihrem Säugling, Baby oder Kleinkind gegenüber kein Vorurteil. So wie Sie ihm zutrauen sollten, irgendwann allein auf das Sofa oder die Treppe hinunter zu klettern, so sollten Sie auch beim Hinlegen des Kindes Zuversicht ausstrahlen. Denn schon ein Säugling hat ein sehr feines Gespür für die Stimmungen der Mutter oder des Vaters bzw. der Person, die sich kümmert.

Unser dritter Tipp: Seien Sie einfach zuversichtlich, gleichzeitig konsequent und liebevoll und machen Sie (auch vor sich selbst) nicht so viel Brimborium um das Einschlafen. Wie ein altes Hebammensprichwort lautet: Kinder sind so kompliziert wie ihre Mütter. Legen Sie also alle Ratgeber weg und verlassen sich auf Ihr Bauchgefühl: Sie haben ein Ritual eingeführt, sich mit dem Kind tagsüber genug beschäftigt (und es nicht einfach nur vor dem Fernseher geparkt), es ist satt und müde, braucht nichts mehr zu trinken? Dann haben Sie eigentlich alle „äußeren“ Voraussetzungen erfüllt, damit das Kind alleine und zufrieden einschläft. Diese sind aber nur wirksam, wenn auch die emotionalen Voraussetzungen der Nähe und Geborgenheit gewährleistet sind: Lassen Sie also ruhig die Tür einen Spalt offen, lassen Sie Ihr Kleines das Geklapper in der Küche hören und, wenn es das möchte, machen Sie ihm auch eine Spieluhr oder eine CD an oder geben Sie ihm ein T-Shirt von sich mit ins Bett. Hauptsache, das Kind weiß, dass es geborgen ist, dass die Eltern da sind und es lieben. Dann braucht es keine Angst zu haben und schläft ein. Wenn es anfängt zu weinen, sollten Sie die Mühe auf sich nehmen und hingehen. Ein liebes Wort und ein kurzes „Sch sch“ reicht da bei manchen Kindern schon aus. Es ist auch völlig in Ordnung, das Kind wieder auf den Arm zu nehmen und das immer wieder und über so viele Abende hinweg, wie es eben braucht. Irgendwann wird es verstehen, dass es nicht alleine ist, Vertrauen in die Situation entwickeln und nicht mehr weinen. Das kostet mit Sicherheit viel Anstrengung und Mühe, aber diese Kosten sind gut investiert.

Kleine, aber hilfreiche Einschlaftipps

Wenn es mit dem Einschlafen trotzdem nicht so gut klappt, schließen Sie noch ganz banale Faktoren aus, die den Schlaf behindern könnten: Hat es eine trockene Windel? Kratzt irgendwas, ist es zu warm (die Kleinsten schlafen gerne kühl, ideal sind 16-18 Grad Raumtemperatur) oder: Ist es einfach noch nicht müde genug? Dann sollten Sie den Tagesablauf noch einmal überdenken und die Dauer des Mittagsschlafes eventuell begrenzen, bzw. am Nachmittag etwas Spannendes unternehmen (Spielplatz reicht in der Regel vollkommen aus). Viele Experten raten aus diesem Grund auch dazu, das Kind nicht allzu früh hinzulegen, aber das ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Wer auf seine Nachrichten um zwanzig Uhr großen Wert legt, sollte den Tag entsprechend planen. Und um auf die Grenzen zurückzukommen: Welche Eigenschaft haben sie? Genau, sie können ausgehandelt werden. Und das ist ein großer Vorteil, wenn Ihr Kleinkind eine gewisse Reife erlangt hat. Sie können mit ihm (aber nur wenn nötig!) viele kleine Dinge verhandeln, die ihm das Gefühl geben, selbst etwas bestimmt zu haben: Sie können das Buch noch ansehen, dann aber ohne Nuckel. Kleine Ausnahmen dieser Art machen ein Kinderherz sehr glücklich und zeigen ihm tatsächlich bestehende Grenzen auf eine ganz liebe Art.

Unser abschließendes Credo lautet: Es geht nicht darum, das Schlafen lernen, sondern das Urvertrauen zu gewinnen.

Bildquelle: © Yuri_Arcurs/iStock

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