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Eine Eule hat einen ganz anderen Biorhythmus als der Mensch.

Im Einklang mit der inneren Uhr – so funktioniert unser Biorhythmus

Wie gut wir schlafen und wie stark unser Körper davon profitiert, hängt zu großen Teilen von einer körperlichen Genialität ab, die wir innere Uhr oder Biorhythmus nennen. Das kleine Zeigerwerk tickt unaufhaltsam in uns, gibt den Takt des Lebens vor und funktioniert auch unter schwierigen Verhältnissen erstaunlich gut. Wir haben für Sie recherchiert, wie die innere Uhr funktioniert, warum es sich lohnt, im Einklang mit ihr zu leben, wie der Mensch dazwischenfunkt und was er tun könnte, um wieder zu ihr zurückzufinden.

Wie tickt unsere innere Uhr?

Schon vor langer Zeit fanden Wissenschaftler heraus, dass die Konzentration bestimmter körpereigener Stoffe im Blut des Menschen über den Tag hinweg schwankt. Um 5 Uhr morgens beispielsweise steigt die Konzentration der Nebennierenhormone Adrenalin und Kortisol an, der Körper beginnt also schon im Schlaf, sich langsam auf den Zustand „wach“ einzustellen. Auch Stoffwechselvorgänge werden wieder angekurbelt, Verdauung und Energiegewinnung kommen in Gang. Auch die Herztätigkeit wird aktiver.

Etwa zwischen 10 und 12 Uhr am Vormittag sind wir besonders aktiv und leistungsfähig. Wir können uns gut konzentrieren, unser Sprachvermögen und das Gedächtnis funktionieren einwandfrei; die perfekte Zeit also zum Lernen oder für ein wichtiges Meeting im Büro.

Gegen 14 Uhr kommt dann der Mann mit dem Mittagshammer – wir werden träge und müde und würden am liebsten ein Schläfchen halten. Das liegt vermutlich daran, dass unser Körper um diese Zeit verstärkt Endorphine ausschüttet. Denen wird zwar nachgesagt, dass sie glücklich und sogar euphorisch machen können, aber sie bremsen auch gleichzeitig Ängste, Hunger oder Schmerzen, machen uns sozusagen gleichgültiger und apathischer. So duseln wir um diese Zeit so vor uns hin und warten darauf, dass der Arbeitstag sich endlich dem Ende zuneigt.

Ausgerechnet zum Feierabend – also gegen 16 oder 17 Uhr am Nachmittag – könnten wir dagegen wieder Höchstleistungen vollbringen und sind erneut top-produktiv.

Am Abend und später nachts im Schlaf sinken dann Blutdruck und Atemfrequenz – der Biorhythmus sendet das Startsignal zum Herunterfahren aller Systeme für die nächtlichen Reparatur- und Erholungsprogramme.

Den absoluten Tiefpunkt erreicht unsere Leistungskurve zwischen 3 und 4 Uhr nachts. Dann sehen wir schlecht, der Kreislauf läuft nicht wirklich rund und wir können uns nicht konzentrieren. Natürlich variiert diese Leistungskurve von Mensch zu Mensch – je nachdem, um welchen Chronotyp es sich handelt, also ob nachtaktive Eule oder frühe Lerche. Dennoch haben alle einen Biorhythmus mit diesen ähnlichen Abläufen.

Wonach richtet sich unsere biologische Uhr?

Der natürliche Rhythmus des Menschen richtet sich nach der Sonne beziehungsweise dem Hell-Dunkel-Rhythmus in der Natur. In einem Experiment schlossen Forscher einige Freiwillige für einen längeren Zeitraum in einen dunklen Bunker ein. Das Ergebnis: Die biologische Uhr der Testpersonen pegelte sich in etwa auf einen Rhythmus von 25 Stunden ein. Wieder draußen, glich sich der Biorhythmus mit der Zeit wieder dem 24-Stunden-Takt einer Erdumdrehung an. Das Licht der Sonne setzt also die entsprechenden Impulse im Körper. Wer viel fliegt oder schon einmal Urlaub in einer anderen Zeitzone gemacht hat, kann bestätigen, wie sich der eigene Biorhythmus ändert, denn mit der verschobenen Uhrzeit muss der Körper erst einmal zurechtkommen. Zum Glück schafft er das auch und passt sich Tag für Tag ein Stückchen mehr an den veränderten Rhythmus an.

Wo tickt die biologische Uhr?

Überall. In jeder einzelnen Körperzelle des Menschen tickt es munter vor sich hin. Wir haben quasi unzählige kleine biologische Uhren in uns. Der sogenannte suprachiasmatische Kern (sitzt über der Kreuzung der beiden Sehnerven) sorgt dafür, dass sie alle im Takt laufen und immer wieder neu aufeinander abgestimmt werden. Das erbsengroße Organ sendet Informationen zu den äußeren Lichtverhältnissen an alle Organe weiter. Die wissen daraufhin, wann sie die Zeiger auf „Aktivität“ und wann auf „Ruhe“ stellen müssen. Auch die Zirbeldrüse in unserem Hirn empfängt diese Information und reagiert mit der Ausschüttung oder der Hemmung des Müdemacherhormons Melatonin. Bei gleißender Mittagsonne wird dessen Produktion komplett gestoppt (und wir fühlen uns wach und aktiv); zieht einer die Vorhänge zu, gibt’s eine satte Portion hormonellen Schlafsand und die Zeiger fallen rasant auf „todmüde“.

Dürfen wir unseren Biorhythmus austricksen?

Das wäre nicht ratsam, denn es ist auf Dauer nicht gesund. Besonders Nacht- und Schichtarbeiter stellen ihren natürlichen Biorhythmus nicht nur auf den Kopf, sie müssen auch noch ständig zwischen verschiedenen Schlaf-Wach-Modellen wechseln. Das kann schwerwiegende Folgen haben. Gerade die wichtigen Tiefschlafphasen fallen häufig kürzer aus, Zustände der Erschöpfung nehmen zu, die Leistungsfähigkeit nimmt ab, es kann zu chronischen Verdauungs- und Herz-Kreislauf-Problemen kommen oder zu psychischen Erkrankungen.

Erschreckenderweise haben ganze 20 % aller Arbeitnehmer in Deutschland einen vom Regelfall abweichenden Arbeitsrhythmus. Und nicht nur das: Weil unser Körper nachts weniger leistungsfähig ist und es uns schwerer fällt, uns zu konzentrieren, ist auch die Unfallgefahr bei Nacht- und Schichtarbeit erhöht. Zwei Drittel aller Autounfälle passieren nachts zwischen 2 und 4 Uhr. Auch schlimme Unfälle mit schwerwiegenden Folgen wie der Reaktorunfall in Tschernobyl ereigneten sich nachts.

Wird unsere biologische Uhr in Zukunft anders ticken?

Tatsächlich sind wir schon heute ein wenig aus dem Gleichgewicht geraten. Schuld daran sind vor allem veränderte Bedingungen am Tag. Früher hielten sich die Menschen tagsüber viel im Freien auf, was dazu führte, dass sie im Einklang mit dem natürlichen Rhythmus der Sonne lebten. Die innere Uhr stimmte also. Heute arbeiten wir im Büro oder in Produktionshallen, umgeben von Kunstlicht, das um einiges schwächer ist als das natürliche Tageslicht. Wir befinden uns sozusagen in einem chronischen Dämmerzustand. Unsere innere Uhr verliert mehr und mehr die Orientierung. Der bekannte Chronobiologe Professor Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie an der Ludwig-Maximilians Universität München schlägt deshalb eine neue Lichtarchitektur in Gebäuden vor. Ginge es nach ihm, sollte das Licht morgens blauhaltiges Tageslicht von den Dächern in die Innenräume spiegeln und sich äußeren Gegebenheiten dynamisch anpassen, also den natürlichen Verlauf der Lichtverhältnisse über den Tag imitieren. Auch eine Revolutionierung der Arbeitswelt, insbesondere der Arbeitszeiten, ist laut Roenneberg dringend erforderlich. Flexible Arbeitszeiten – angepasst an den jeweiligen Chronotyp des Mitarbeiters – wären ein Anfang. Gerade bei Nacht- und Schichtarbeit sollte versucht werden, auf den betreffenden Schlaftyp und das Lebensalter angepasste Rotationsmodelle zu finden.

Wie tickt es eigentlich in Ihnen? Fallen Sie abends müde ins Bett und wachen am Morgen putzmunter und gut erholt wieder auf oder haben Sie das Gefühl, Ihre innere Uhr sei ein wenig aus dem Takt geraten? Dann helfen Ihnen diese Tipps, sie wieder aufzuziehen.

Bildquelle: © taice/iStock

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